Nias Hefti ist der jüngere Bruder von Silvan Hefti, dem Captain de FC St.Gallen 1879. Die beiden trennen zwei Jahre Altersunterschied – und rund 225 Autobahnkilometer. Denn Nias spielt für den FC Thun. Zum Fussball sind sie gemeinsam gekommen, sagt der Verteidiger des FC Thun: «Ich habe immer das gemacht, was Silvan gemacht hat. Ich bin ihm immer nachgelaufen. Irgendwann kam dann ein Fussball dazu und so hat alles seinen Lauf genommen.»

Doch die fussballerischen Anfänge waren nicht so, wie man sie erwarten würde. Normalerweise ist der ältere Bruder zuerst beim Verein und zieht den jüngeren nach. Doch bei den Heftis war das nicht der Fall. Nias wurde im Alter von neun Jahren für die neue E11-Mannschaft in einem Sichtungstraining entdeckt. «Es war cool, denn der E11-Trainer wollte mich unbedingt. Gleich im ersten Sichtungstraining wurde ich ins Team aufgenommen. Andere Spieler trainierten dafür bereits über ein Jahr», sagt der heutige Thuner Verteidiger rückblickend. Und dann kommt das ungewohnte. Der damals 9-Jährige brachte seinen Bruder, den heutigen FCSG-Mannschafts-Captain, zu Grün-Weiss. «Der Trainer sprach mich damals an und sagte mir, dass ich doch meinen älteren Bruder auch mal mitbringen soll», erklärt der Goldacher. Gesagt, getan. Silvan Hefti wurde auch ein Nachwuchs-Espe.

Unterschiedliche Wege zum Profi

Wie die Geschichte von Silvan Hefti weiterging, wissen die meisten Fans des FC St.Gallen 1879. Ihm gelang der Schritt aus dem Nachwuchs direkt in den Profikader und er ist heute eine Identifikationsfigur des Teams. Nias hingegen gelang der Schritt nicht sofort, wenn er auch einen Profivertrag vom FCSG erhalten hat. «Für mich war klar, dass ich es noch lange nicht geschafft habe. Es war nur ein Stückpapier und etwas Sackgeld für mich. Mein Weg zum Profi war noch lang», sagt der Defensivspieler rückblickend. Er wollte sich im Profisport etablieren und scheute den Gang in die Challenge League nicht. Er schloss sich dem FC Wil 1900 an. «Den Schritt in die Challenge League kann ich jedem jungen Spieler empfehlen. Man profitiert immens von den Erfahrungen. Es ist Erwachsenenfussball pur», erklärt Nias Hefti. Rückblickend war es auch der richtige Schritt für den heute 20-Jährigen. Denn beim Cup-Achtelfinale im Oktober 2018 spielte mit dem FC Wil gegen seinen heutigen Arbeitgeber den FC Thun und die Berner Verantwortlichen wurden auf den talentierten FCO-Fussballer aufmerksam. Dazu sagt der ehemalige FCSG-Junior: «In diesem Spiel habe ich anscheinend überzeugen können. Der FC Thun kam bezüglich eines Transfers relativ früh auf mich zu.»

 
hallochamps.ch traf Nias Hefti zum Interview in der Stockhorn Arena vom FC Thun.

Jassen statt Social Media

Den Weg ins Berner Oberland hat Nias noch an keinem Tag bereut. Er lebt heute in der Nähe der Thuner Altstadt in Steffisburg und fühlt sich wohl im Team von Trainer Marc Schneider. «Es macht Spass, hier zu spielen, auch wenn manchmal Witze über meinen Dialekt gemacht werden», erklärt der Wahl-Thuner schmunzelnd. Er geniesst die Zeit mit dem Team. Denn die Spieler müssen sich zwangsläufig miteinander beschäftigen. Für die Mannschaft gilt ein Handyverbot von 08:00 – 14:00 Uhr. «Diese Regelung stört mich gar nicht. Es macht Spass, sich mit den Mitspielern zu unterhalten. Als Zeitvertreib jassen wir häufig, anstatt dass jeder für sich am Handy ist», sagt Hefti. Er ist ohne Stammplatzerwartungen zum FC Thun gekommen. Und dennoch kann er schon 1238 Spielminuten in 17 Einsätzen vorweisen. Doch in Zukunft will er sich zum unverzichtbaren Stammspieler entwickeln – und eventuell eines Tages in der spanischen La Liga auflaufen.